Nachtgeschichte

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Nur eine Geschichte...

 

 

Die Nachtreise beginnt und wir durchschreiten das Tor, um sie anzutreten. Dunkelheit erwartet uns. Ein Wald der Nacht, in dem die Bäume flüstern und kein Mondlicht bis zur Erde dringt. Allein meine Nähe führt dich, sie ist bei dir, lenkt deinen Schritt. Hier gibt es keine Angst, nur die Furcht, aus allem zu erwachen.

Hab keine Furcht.

Halbblind tastet du dich durch das Dunkel, willst nicht umkehren, nicht allein zurückgelassen werden. Aber ich bin da. Wenn alles lautlos ist, spürst du meine Wärme und weisst, dass sie dich bald umschließen wird.
Wir bleiben stehen.
Der Wald verschwindet, er wird verschlungen von der Dunkelheit und ist dennoch da. Nur du kannst ihn nicht mehr sehen, als hätte die Nacht dir ein Tuch über deine strahlenden Augen gelegt. Doch nicht die Nacht war es... sondern ich. Ich lasse dich nicht sehen, denn du sollst fühlen... fühlen und dich fallen lassen, ohne dass dein Geist von Licht und Bildern verwirrt wird. Nur ich verwirre dich in dieser Nacht. Nur ich leite dich durch das Labyrinth, in dem sich deine Sinne gleich verfangen werden.
Meine Hände legen sich auf deine Schultern, geben dir Halt und lehnen dich an den Stamm eines Baumes, den du nicht siehst. Er ist da, so wie alles da ist in diesem Wald, aber nichts von dem soll dich an die Wirklichkeit binden. Frei sollst du sein von allem, von allen Fesseln, die dich sonst an die Vernunft ketten. Frei sollst du sein... von allem. Und auch von dem, was dich verhüllt. Du hältst mich nicht auf, als ich deine Kleider herabgleiten lasse.
Es ist warm, hier im Wald.
Die Nachtreise ist niemals kalt.
Nicht einmal ein Schritt trennt uns. Ich bin dir nah, so nah du es nur möchtest. Nur die Dunkelheit ist noch zwischen uns. Deine Dunkelheit. Du weisst, dass sie mich nicht genauso umgibt, denn ich kann durch sie hindurchsehen.
Ich kann dich sehen.
Ich kann sehen, wie du im Dunkeln wartest... ohne Schutz. Deine Seele, deine Gedanken, sind so nackt wie dein Körper. Es ist keine Angst, die dich erfüllt, sondern etwas anderes. Warte... warte ab. Wir haben so viel Zeit...
Du bist ungeduldig? Ich mag es, wenn du das bist. Und lasse dich warten, wann immer du diese Ungeduld zeigst. Du wirst heute nacht lernen, zu warten, während die Wärme dich erfüllt. Kein Laut, nein. Leise... ganz leise. Niemand soll uns hören. Niemand soll wissen, dass du so vor mir stehst und auf mich wartest. Ganz still. Rede dir ein, es sei ein Traum. Dein Herzschlag versucht, dich davon abzubringen, er trommelt in dir, lässt dein Blut rauschen... und du musst still bleiben. Sonst wirst du erwachen.
Das willst du doch nicht.
Ja, du zitterst. Willst du mich so um mehr Nähe anflehen? Dein Verstand ist umnebelt, du vergisst, dass ich dich sehe. Es ist keine Kälte in dir. Dein Beben ruft nicht danach, gestillt zu werden, es will erwachen und dich ganz und gar durchfluten. Ruhig... Atme ruhig. Lerne, zu warten. Dann sollst du erfahren, wofür.
Ich komme auf dich zu und küsse deinen glühenden Mund. Lasse mein Hand über deine Wange streichen und an deinem Hals hinabgleiten. Über deine weiche Haut, die erschauert, wenn ich über sie hauche, obwohl du selbst glaubst, sie würde in Flammen stehen. Still.. still... Deine Lippen brennen mir entgegen, glänzen voller Süße. Dies eine Mal will ich ihnen nachgeben. Sie schmecken wie ein Samthauch aus Blüten und Honig, berauschend wie schwerer Wein. Es ist gefährlich, ihnen zu nahe zu kommen, zu lange bei ihnen zu verweilen... Deine Blindheit und deine Stille sind mein Schutz, um dir nicht vollends zu verfallen. Nur einmal noch... Du bist die, die heute fallen soll... nicht wissend, wohin, nicht wissend, wo meine Hände dich halten, wenn sie dich auffangen.
Ich nehme deine Hand und führe dich fort von dem Baum, aber nicht fort von mir. Bleib bei mir, wir haben noch so viel Zeit.
Du spürst Gras und Moos unter deinen nackten Füßen. Es ist weich und warm, wie eine Decke, die für dich geschaffen wurde. Ich habe sie geschaffen, auf dieser Nachtreise. Nein, du musst nicht unsicher sein. Ich helfe dir, dich in der Finsternis zurechtzufinden.
Du bist warm als ich dich hochhebe. Wärmer als sonst. Wie im Fieber. Ist es das, was deine Wangen so erröten lässt? Ein Fieber dieser Nachtreise, das deine Sinne verwirrt? Vielleicht. Du wirst es herausfinden.
Ich lege dich hinab auf den Teppich aus dem Grün, das du nicht sehen kannst. Es schmiegt sich an dich, bettet dich wie es dir gebührt, weich und sicher. Sicher, obwohl du spürst, wie meine Blicke auf dir ruhen, nicht von dir lassen können, wie sie dich verschlingen wollen und Feuerspuren hinterlassen. Du bist ein Spiegel des Schönen, ein Spiegel der Versuchung, der deinen und der meinen. Du allein entscheidest, wie weit sie uns führt. Halte inne, um sie gewähren zu lassen. Bleib still und arglos, greife nicht nach ihr und lass sie zu. Nur so wirst du erfahren, was sie dir schenken wird.
Von einem leisen Windhauch getrieben kitzelt dich das Gras. Sanft und kaum wahrnehmbar, vielleicht unmerklich für jene, die kalt und verschlossen sind. Du bist beides nicht. Du fühlst es, als ob tausend Fingerspitzen dich streicheln. Und wartest auf meine. Hab Geduld. Noch will ich dich ansehen, will sehen, wie du nur durch deine Gedanken getrieben schneller atmest und deiner Phantasie keinen Einhalt gebieten kannst. Nicht denken. Das sollst du nicht. Geh nicht zu weit.
Ich warte, bis du dich beruhigst. Es dauert lange. Lange, bis du zurückfindest aus deinem berauschten Geist. Jetzt bist du wieder hier, bei mir. Deine Glieder werden schwer, du sollst dich nicht bewegen. Lass es einfach geschehen. Ohne Eile.
Es fällt dir schwer. Noch immer tanzen die Spitzen der Halme über dich und wollen gleichsam einen Funkenregen auf dir entfachen. Ich muss lächeln, als ich sehe, wie sehr du das genießt. Du könntest hier liegen, die ganze Nacht. Eine ganze Ewigkeit. Ewig wartend und dich diesen zarten Berührungen hingeben und wissend, dass dieses Gefallen alles andere nur aufschiebt. Ein wenig lasse ich dich noch. Überlasse dich den Bildern und Wünschen, die du vor dir siehst und versuche, sie durch die Sprache deines Körpers zu verstehen und selbst zu sehen.
Ich knie mich nieder und betrachte dich. Du weißt, dass ich bei dir bin, ganz nah. Die ganze Zeit über. Ich war nie weit weg. Ich streichle deine gerötete Wange, berühre deine Lippen, die lautlose Worte formen. Du wagst nicht, sie laut auszusprechen und kannst trotzdem nicht verhindern, dass ich sie höre. Nicht mehr warten... Nein, du sollst nichts sagen. Gar nichts. Ich lege meinen Finger auf deine Lippen und du verstummst. Meine Hand verlässt dein Gesicht, die Fingerspitze fährt deinen Hals entlang hinunter und verharrt dort, wo dein Pulsschlag rast. Beruhige dich. Nein, bleib stumm. Mein Lippen verschließen deinen Mund, sie fordern Stille und flüstern dir zu. Wie ein glühend fließendes Siegel lassen sie dich schweigen, versunken im schillernden Wirbel des Zungenspiels. Es ist nicht leicht, dieses Feuer zu bändigen.
Wie Seide. Wie Seide fühlt es sich an, wenn ich über die schweißnasse Wölbung streichle, die sich unter meiner Hand erhebt. Ruheloser Atem hebt sie mir entgegen. Ist es das, was ihn so antreibt? Hebt sich deine Brust derart, um mir entgegenzustreben, sich sehnend nach der weichen Berührung? Du wirst es mir nicht sagen, doch ich weiss, dass es so ist. Das Zittern deiner Lippen verrät es mir, wenn ich mich entferne und so sehr du dich auch mühst, so kannst du den Laut nicht verhindern, der deinem Mund entsteigt, wenn ich meine Finger kreisen lasse. Soll ich dich gewähren lassen? Es ist nur dein eigener Atem, der dir dieses Glück verschafft, der dich an mich schmiegt und dich im nächsten Augenblick wieder hinfortreisst. Jetzt weisst du, warum du es tust. Warum du atmest. Nur, um dieses Streicheln zu empfangen. Wie könntest du es leugen, wo du doch wissen musst, was hier vor meinen Augen liegt. Was sich unter meinen Fingerspitzen so ehrlich offenbart, wie kannst du jetzt noch darauf hoffen, dass ich an deine Gelassenheit glaube? Gib auf, versuche nicht länger, dich zu verstellen, ich habe dein Verlangen längst erkannt, doch muss ich lächeln angesichts deines schwachen Versuchs es zu leugnen. Das was ich fühle, was unter mir erzittert und sich mir so erwartungsvoll bietet, ist die Ehrlichkeit, die du enthüllst.
Längst hast du deine funkelnden Augen geschlossen, entziehst mir das Strahlen und schwelgst in der Erwartung, die von dir Besitz ergreift. Ersuchst du, so den verräterischen Lidschlag zu verbergen, der dem unruhigen Schlagen deines Herzens gleichkommt? Es liegt direkt unter mir, unter der Hand, die nicht weichen will von deiner Brust, sondern ihr einer Feder gleich schmeichelt und sie mit süßem Begehren erfüllt. Der Bluthauch in deinen Wangen... fleht er um mehr oder ist es die letzte Spur deiner Vernunft, die schon längst vergessen sein sollte? Wie lange klammerst du dich noch an die Illusion, ich würde diese Sprache nicht verstehen?
Ein letztes Mal gebietet dir mein Mund das Schweigen, bevor er dem warmen Pochen folgt, das meine Fingerspitzen hinterlassen haben. Mir ist's als könnt ich das Tosen schon schmecken, das Rauschen des Bluts, das hinabströmt und dich mit heissen Wogen durchflutet. Von Paukenschlägen begleitet schickt dein Herz es hinab, doch ich, ich verharre genau dort und wandle nicht weiter. Zu verlockend ist es, mit der Zungenspitze die bebende Landschaft zu erkunden, die lusterfüllten Hügel zu besteigen und an ihrer Spitze den weichen Kuss zu wagen, nach dem du dich verzehrst.
Was ist's, dass selbst ich nur noch Farbwirbel sehe, verzerrt der Wald und leuchtend dies Paradies, das sich vor mir erstreckt? Fast hätt' ich nicht von dir lassen können, hätte dem leisen Bitten nachgegeben, das aus deinen Lippen entsprang. Es war wie Musik in meinen Ohren, ein Laut den zu entlocken ich dir so versucht bin, doch er soll nicht sein... noch nicht. Still... still. Bewahre ihn dir für den Moment, in dem ich ihn dir nicht länger versagen kann. Doch bis dahin... hab Geduld. In dieser Nacht sollst du sehen, dass das, was du bisher zu kennen geglaubt, ein Eishauch ist gegen das, was wahres Feuer ist.
Nur das Wissen, dass es nichts als ein Aufschub ist, gibt mir die Stärke, zurückzuweichen. Nicht ich bin es, nicht ich soll mich dieses Zögerns erfreuen. Es gilt dir allein, und ich... ich sehe, dass dies nicht nur Qual ist, sondern ein Balsam, der sich auf dich legt, wärmend und betörend zugleich. Du verfluchst ihn im Stillen, doch jetzt weißt du, dass du nicht flehen darfst um die Erlösung.
Für diesen Moment zieh ich mich zurück, doch nicht meinen Blick, der meiner Hände statt auf dir verweilt. Wie gern wäre ich ein Grashalm, der allzeit an dir lehnt, dich streichelt und dir unentwegt ein Schaudern abringt. Doch noch lieber ein Blütenblatt, das sich, getragen von leisem Hauch, auf dich legt, direkt dort, wo kurz zuvor mein Kuss dich verlassen hat. Gleich... gleich werde ich bei dir sein. Doch noch bist du zu aufgewühlt, zu benebelt von den Wellen deines eigenen Bluts, noch droht dein Verlangen dich zu besiegen und den Weg, der von uns liegt, zu verschließen. Ruhig... ruhig.
So rastlos, so ungeduldig, so angefüllt von deiner Sehnsucht wünschst du dir, dich zu erheben, mich an dich zu ziehen und selbst diese Nacht zu bestimmen. Aber heute musst du dich bezähmen, musst dem Drang widerstehen und dich ganz in meine Hände begeben, die voller Erwartung danach trachten, deinen Hunger weiter zu entfachen, der mit jedem Herzschlag zügelloser in dir tobt.
 
Wir haben so viel Zeit...
 
Ich wünschte, du könntest dich selbst so sehen, ganz, wie ich dich jetzt erblicke. Womöglich suchtest du dann, dein Antlitz abzuwenden, beschämt über dies Bildnis, das so unzweifelhaft deine Begierde zeigt. Gleichwohl sehe ich es und will nichts anderes mehr sehen als dieses Geständnis, das du unfreiwillig gibst und doch nicht bedecken kannst. Warten sollst du, doch nicht ewig, so gern ich dir die Ewigkeit nun auch beschwören würde.
Deine Stimme ist verhallt. In meinem Geist klingt sie nach und so will ich denn weiter nach ihr jagen und sehen, wie lange du erneut darum kämpfst, sie zu unterdrücken.
Für einen langen Wimpernschlag schweben meine Lippen über deinem Herzen, wollen sich noch einmal herabsenken und die Süße kosten, die sich nur einen Atemzug entfernt unter ihnen entblößt. Was erwarten deine Sinne nun in ihrem Taumel? Nein, du sollst nicht denken, nichts erwarten.
Nur zögernd weiche ich ein wenig und streife das Gras an deiner Seite. So unschuldig dieser Halm, auf dem ein Tautropfen glitzert. Ob er sich danach sehnt, diese Makellosigkeit an dich zu verlieren? Soll dieser kühle Tropfen so sinnlos an ihm haften und neben dir verblassen?
Ruhig... nicht nur du, auch ich muss es sein. Dieses eine Mal. Lasse den Halm über dir schweben, doch in der Dunkelheit ahnst du ihn nicht. Und die Perle, die obenauf glitzert, erzittert, wohl angesichts der freudigen Erwartung, gleich zu zerspringen auf dem Samt deiner Haut. Dort, wo dein Herzschlag das Blut erhitzt? Dort, wo meine Hand geruht? Nein... du sollst es nicht wissen. Und der Tau soll nicht verrinnen im Nichts, er soll zum Spiegel werden für die Nacht, die kein Ende nehmen darf.
Ich lasse ihn fallen, zwinge ihn, vom Halm zu lassen und schwer dem Ziel entgegenzustreben. In tausend Kristalle soll er in deinem Nabel zerspringen und gefangen bleiben, bis er deiner Wärme weicht.
Ist es seine Kühle, die dich erstarren lässt? Das feuchte Kitzeln, dessen Strahlen du nicht siehst? Was, wenn ich mich dazu geselle, ein Teil von mir nur? Wirst du unbeweglich bleiben? Sag, wie schmeckt dieser Tropfen, den du umschließt?
Lass ihn mich finden.
Dort, wo eben noch der Halm seinen Schatten warf, beginnt meine Suche. Lasse meine Hände Ausschau halten, sie kreisen so begehrlich über deinen Bauch und so vorsichtig, als wären sie selbst nur wehendes Gras, das dich kitzeln will. Ich sehe den Tropfen, so kalt und klar und doch muss er schon beinah der Hitze erliegen, die ihn umgibt. Gleich... gleich will ich ihn finden. Hab Geduld. Tau... ob er diesen Durst löschen kann. Mein sengender Atem verrät dir, dass nicht die Hände den Tropfen finden werden. Nein, es wäre ein Verrat, meinen Lippen diesen Genuss zu entziehen... Sie wollen selbst auf die Suche gehen.
Schweige... so flüstere ich dir zu. Kein Laut, während ich dich hier nun küsse und nun meine Zunge dem Weg der Hände folgt, geradewegs auf den Spiegel zu, der in deinem Nabel glitzert.
Ein Feuerwerk, so scheint es, will sich auf meiner Zungenspitze nun entfalten als ich davon koste, denn dort, wo gerade noch eisiger Tau wie eine Perle glänzte, scheint dir der Leib zu glimmen. Nein, du kannst es nicht verbergen, längst schon hast du dich verraten und willst nun fast flehen, willst nicht mehr schweigen, nicht mehr gefangen sein in dem Zwang dich zu beherrschen. Du glaubst, den langen Weg nicht gehen zu können, der noch vor dir liegt, aber ich weiß... du kannst es.
Nur ein wenig näher will ich dir noch sein. Dich umarmen, während meine Zunge weiter vom Tau trinkt. Kein vorsichtiger Halm, der über deinen Schauer streicht, sondern warme Hände, die dich streicheln, überall dort, wo zuvor noch der Schatten schwebte. Überall sollst du diese Wärme spüren, überall, wo auch meine Lippen dich bedeckten. Du sollst erröten, in den Wangen und dort, wo dein Herzschlag kocht. Dort, wo der Tau verglimmt und ich dich nun schmecke.
Hab Geduld.
Ich weiß, wonach du dich sehnst, doch... der Weg ist weit. Die Nacht kann endlos sein, wenn du es willst und wenn, wie jetzt, deine Stimme bricht und dem wohligen Seufzen weicht, sagst du mir nur.... dass du noch warten musst.
Nein, diesmal lasse ich dich nicht zurück, bleibe bei dir und versuche, zu Sinnen zu kommen. Weniger drängend müssen meine Hände werden, weniger verlangend mein Zungenschlag, denn schon jetzt scheinst du nur allzu bereit, dich beidem vollends hinzugeben. Wie lang kannst dein Körper diesem Drängen widerstehen, das dich dahinschmelzen lässt? Wir werden es sehen. Vergessen ist der Wald, das Gras, die Nacht in diesem Moment, da nur du sie erhellst, reiner als das Mondlicht es je könnte. Ich will dich dahinfließen lassen, dich zügellos dem Sturm übergeben, den dein eigener Atem schon heraufbeschwören will. Möchte dich lösen von allem Willen, von allem Vorsatz, von Scham und Beherrschung... Und während ich dir dieses Bestreben leise zuflüstere, keimt, so weiß ich, derselbe Wunsch in dir auf, doch noch wagt dein Geist nicht, dir dies einzugestehen. Mir hast du es längst gestanden.
Ich kann sehen.
Er ist zurück, der Wald, in all seiner geheimnisvollen Pracht rahmt er dein Bildnis ein und erhebt es zur Schönheit des Sternenhimmels. Jedes Schimmern deiner Haut, jeder glitzernde Schweißtropfen, selbst das schwache Leuchten des erloschenen Taus - ein jedes Strahlen ein Stern für sich und einen jeden einzelnen will ich in dieser Nacht mit all meinen Sinnen begrüßen. Erfühlen will ich sie alle, ich will sie küssen und schmecken und dir so zeigen, wie endlos dieser Himmel ist.
Lass mich fortfahren auf dieser Reise. Du erträgst die Rast nicht und sollst sie auch nicht länger hinnehmen. Bald schon wirst du sie wieder erzwingen, wenn du dein Gefallen kundtust, das weiß ich und ich ...will es so.
Wie beiläufig gesellen sich meine Finger zu dem Gras, das deine Schenkel umspielt. Noch ahnst du nicht, dass es nicht die Halme sind, die sanft vom Wind bewegt geschmeidig um dich wehen. Im Stillen erhoffst du meine Rückkehr, vielleicht nah dem Tau oder dem Schlag deines Herzens, unwissend, dass ich längst schon wieder bei dir bin. Ich wage es kaum, dich zu berühren, erahne dich mehr als dich wirklich zu fühlen, während meine Fingerspitzen sich gleich dem Gras an deiner Seite wiegen. Zitterst du, weil du jetzt die Wahrheit erkannt hast? Weil du weißt, dass dieses Streicheln weiterreichen wird, es wird an keinen Boden gebunden und dir mehr schenken als das unschuldige Kitzeln der Natur? Warte, ich zeige es dir.
Im Sommer, wenn du barfuß über Wiesen gehst, mag manche Blüte deine Knöchel berühren. Heute will ich eine solche Blüte sein, doch spüre sie, fühle, wie sie wächst. Einer Ranke gleich erklimmen meine Hände dich und würdest du nicht kraftlos liegen, du würdest wanken unter ihnen. Doch so bleibt dir nur, den Grund zu verdammen, der dir als Bett hier dient und der, so scheint es dir, an Festigkeit verliert und gleich einer tanzenden Barke auf wilder See keinen Halt mehr zu bieten vermag. Alles, alles könnte nun um dich sein, längst hast du den Wald vergessen. Was ist es, was du um dich siehst in deiner Phantasie? Ein wogendes Meer? Ein flimmender Sturm? Ein Rosenbett, das dich streichelt oder ein Lichtregen, der dich erfüllt? So unschuldig könntest du sein, wie ein schlafender Traum, der die wahre Lust verkennt... aber das bist du längst nicht mehr. Die kitzelnde Blüte an deinem Knöchel ist eine Illusion, die ich geschaffen habe mit meinen Händen und nun wächst sie hinauf... immer höher. So wie eine jede Ranke dem Sonnenlicht entgegenstrebt, so kann auch mich nicht mehr dem Schatten zuwenden, sondern gleite dem Feuer entgegen. Überwinde deine Knie die dich nun nicht mehr halten könnten und entfliehen dem Mondlicht, um in der Dämmerung Schutz zu suchen, die noch zwischen deinen Schenkeln herrscht. Eine schier endlose Schlucht, die du nun erhellen möchtest, die du widerstrebend öffnest, um der rankenden Blüte Zuflucht zu gewähren. Du wagst es nicht, hast Angst, dass ich dir diese Bereitschaft nicht gewähre, doch jetzt, da sich meine Fingerspitzen weiter über deine Haut tasten und der Enge entgegengleiten, vermagst du nicht mehr, deinen Körper zu lenken. Du willst mir den Weg weisen, als könntest du dich so rascher von der süßen Qual erlösen, die ich dir auferlege. Was ist es, was meine Finger auf den Innenseiten deiner Schenkel hinterlassen? Ein Glühen oder ein Eishauch? Kriecht es an dir empor, entfaltet es sich mit jedem winzigen Schritt ein wenig weiter, so wie die Schlucht sich weiter öffnet, je mehr ich mich ihrem Ende nähere? Ich ahne das Ziel, folge der Straße des Mondlichts, der du nun den Fortlauf gewährst und ich sehe, wie sehr du mit dir kämpfst, nicht zu sehr nachzugeben. Verdammst du das Gras, weil du nun so vehement danach greifst? Oder hältst du dich daran fest, um nicht gänzlich in dem Wirbel zu versinken, der dich umgibt? Lass los... lass los... klammere dich nicht daran. Ganz ruhig.
Wie schmerzhaft ist es, meine Hand jetzt zurückzuziehen, welch eine Folter, sie nicht weiter von dir wärmen zu lassen, und sei es auch nur für einen Augenblick. Hauchst du Enttäuschung? War deine Hoffnung so groß, ich würde dich jetzt schon befreien? Ja, das war sie und noch immer schwelt sie in dir.
Noch einmal wende ich mich dir zu, mich selbst überwindend, der Verheißung nicht zu nahe zu kommen und lehne mich an dich. Beruhigt es dich nicht, wenn ich noch einmal dein Atmen mit Küssen bedecken? Wenn ich dir in deinen leicht geöffneten Mund flüstere, wie schön es ist, dich in diesen Abgrund zu führen, in den du dich am liebsten ohne jedes Zögern stürzen möchtest?
Wie von selbst sucht meine Hand nach dem Klopfen in deiner Brust und legt sich darauf und versucht, es mit zartem Streicheln zu dämpfen. Zu viel? Hab keine Angst, ich lasse dich nicht mehr erkalten in dieser Nacht, ich werde dich keinen Augenblick mehr ohne meine Berührung lassen, werde nicht mehr von dir weichen. Schon allein deine Küsse sind verführerischer als je zuvor, sie bitten mich, dir noch näher zu sein, fesseln mich an dich und drohen, mir selbst den letzten klaren Gedanken zu rauben.
Tausend Tautropfen könnten dich nicht mehr zum erlöschen bringen, so sehr brennst du unter meinen Fingern. Kein Muskel erschlafft, kein Atemzug kraftlos, sondern voller Leben windest du dich unter meinen Händen, immer weiter begehrend, dass ich nicht zu lange zögere.
Ist sie noch da, die Perle, die der Tau in deinen Nabel gesetzt? Lass mich fühlen, sie suchen, wo auch immer sie inzwischen sein mag. Bedauernd lösen sich meine Lippen von deinen, formen sich zu einem Lächeln, als du benommen die Augen öffnest und deine Lider flattern. Kaum noch ein Atemzug, in dem sich nicht ein Seufzen mischt, wenn ich meine Fingerkuppen auf deinem Bauch tanzen lasse. Sie sind die Pflanze, die das Licht sucht, das du so bereitwillig das Dunkel erhellen lässt. Ich wage es noch nicht, den Strahlen des Mondes dorthin zu folgen, doch ahne ich wohl, welch Geständnis in seinem silbrigen Schein vor mir glänzt. Was tätest du, würde nicht die Schwere der Nachtreise deine Bewegungen dämpfen, was tätest du, würde ich dir nicht Schweigsamkeit und Blindheit auferlegen? Wie zielstrebig wären deine Hände, die das Gras umklammern, wie verlangend deine Stimme, wie berauscht dein Blick? Die Gefangenschaft dieser Nacht zermürbt dich, zwingt dich, dein Begehren in sich selbst zu kehren und es nicht herauslassen zu können.
Wo ist es nun? Nicht mehr dort, wo der Tau sich spiegelte, nein. Es hat sich seinen Weg gesucht und ich will diesem nun selbst folgen. Bist du hier, frage ich und die Worte streicheln sanft hinab, folgen dem reißenden Strom deines aufgewallten Bluts hinab. Sein Tosen zieht meine Zunge herab, lenkt sie zu deinen Lenden, die geradewegs auf die Straße des Mondlichts stoßen wollen. Flammend erfüllt bietest du sie mir an und sicher würdest du ungläubig auf dich selbst hinabstarren, wärest du an meiner Stelle. Dein Geist betäubt, benebelt von der Macht, die von dir Besitz ergreift und jegliche Unschuld von dir nimmt, hast du längst aufgegeben, dich zu widersetzen.
Sind die Fesseln dieser Reise zu stark? Oder hat das Blut selbst dich schon schwach gemacht? Warte, ich will dir helfen, dich nicht zu verirren, ich will dir zeigen, wohin ich dich führen werde... Behutsam lege ich eine Hand auf dein Knie und ziehe es ein wenig zu mir. Lass den Mond auch die letzte Dunkelheit erhellen, lass ihn die reine Verlockung erleuchten und gewähre, dass die Reise weitergehen kann. Du willst dich ihr nicht verschließen, folgst sehnsüchtig dem zarten Druck und gibst nach, so dass sich das Gras, das eben noch von Finsternis bedeckt, nun ebenfalls der Helligkeit entgegenstrecken kann. Es richtet sich auf, will dich zum Dank für dieses Willkommen berühren und mit seinen Spitzen die reine Begierde wecken. Du fühlst es, fühlst sein Kitzeln dort, wo du nach mehr verlangst, dort, wo ich dich erkunden soll.
Vergiss nicht, dass ich dich geleite. Deine geheimsten Wünsche offenbaren sich nun, doch bist du so gewiss, dass ich den schnellsten Weg wähle, sie zu erfüllen? Hat die Lust dich so verwirrt, dass du vergessen hast, wie lang diese Nacht sein wird? Dann werde ich dich daran erinnern... wenn du erneut zu ungeduldig wirst.
Noch einmal will ich dich küssen und über deine Wange streicheln, die nun in der Röte einer Rosenblüte erglimmt, wohl angesichts deiner Verlegenheit, wie weit sich deine Glut entfachen lässt. Und zu ihr will ich zurückkehren, so weh mir die Trennung von deinen Lippen auch ist, doch ich komme zu ihnen zurück, wenn du nach mir rufst.
Vorsichtig will ich sein, bedacht und zögernd, denn nur so kann der Feuersturm in dir seine wahre Kraft erlangen. Ich taste nach dem Halm, der einst den Tau auf seiner Spitze trug und ein weiteres Mal soll er mir nun dienen, um dich und deine Sinne zu erheben. Tanzen soll er auf dir, dem Rauschen in deinen Adern folgen.... hinab...hinab... sich an deine Lenden schmiegen und sie weiter erwärmen. Fragst du dich nicht längst schon, wie ein so belangloses Ding, so winzig und schwach und nur eines von tausenden, die um dich wachsen, wie... gerade dieser eine Halm dich derart mit Süße erfüllen kann. Wie kann er, mit jedem Zentimeter, den er dir weiter entgegengleitet, noch an Feuer gewinnen, wie kann er, der sich vor jedem Windhauch neigt, dich selbst ganz zum Erliegen bringen? Wie kann er, selbst ganz ohne Wort und Kraft, die Schwere aus deinen Gliedern nehmen und deine Beine weiter öffnen, obgleich dein Wille dazu noch nicht bereit? Siehst du es, spürst du es, wieviel Zauber er in sich birgt? Er rötet jede Stelle, die er betastet, ganz ohne Anstrengung, nur durch sein Kitzeln. Es durchdringt dich, durchfließt deine Poren und will tief in dir weiter wachsen. Das wird es.... das wird es.
Ich kann ihn nicht mehr halten, den Halm, muss ihn fallen lassen, um nun selbst an seiner Statt fortzufahren. Wolltest du nicht vorhin noch am liebsten deine Blöße bedecken? Lass mich es für dich tun... Oder genießt du insgeheim deine eigene Offenheit, die du darbietest, die du der ganzen Nacht zeigst? So lang scheint es her, dass du dort am Baume standest und diese Nacht erwartet hast, nicht ahnend, dass du bald von jeder Hemmung lassen würdest, getrieben allein von deiner eigenen Lust und frei von jeglichem Willen, der dich damals noch verstummen ließ. Genau so liegst du nun vor mir und ich will dich belohnen für dieses Geschenk.
Sanft und lautlos beuge ich mich über dich und erneut lasse ich meine Fingerspitzen auf deinen Beinen kreisen. Sie wandern hinab, dorthin, wo deine Schenkel zuvor noch Schatten warfen und jetzt das Licht einlassen. Sie wollen erfahren, ob du zurückweichst, gleichwohl wissen, dass es für dich längst kein Zurück mehr gibt, sondern nur noch den Drang, ihnen entgegenzukommen und gleichzeitig die Furcht, dich ganz in diesem Rausch zu verlieren. 
Mondlicht lässt dich leuchten, es lässt deine schweißnasse Haut glänzen und das Gras unter dir verräterisch Glitzern. Nicht der Tau der Nacht benetzt es, sondern der deine... nicht kühl, sondern sengend wie dein Atem und zugleich doch das Leben selbst, das nun begierlich in dir pocht und flehentlich nach mir schreit. Versucht bin ich, dir endlich die Berührung zu schenken von der meine Hände nur noch einen Wimpernschlag entfernt sind, doch dann...
Du ahnst sie. Zitterst ihr so sehnsuchtsvoll entgegen, glänzend und vollkommen... seufzst verlangend nach ihr und kannst nicht länger verzichten... doch, was, wenn ich dein Glück vollkommen mache und dir sogleich diesen einen Kuss gewähre, der dich selbst zum Feuerwerk macht? Könntest du es ertragen, nur für diesen einen Moment oder würde der Vulkan in dir sich nicht mehr beruhigen lassen? Mir selbst nachgeben, mir diesen Wunsch erfüllen... nur dies eine Mal... Selbst wenn ich rufen würde, so könntest du mich jetzt nicht hören, so laut rauscht dein Blut in den Ohren, so dröhnend donnert dein Herzschlag, als mein Mund dir näherkommt und sich mein Atem zwischen deinen Beinen verfängt. Und ich muss nicht rufen, denn du verstehst mich auch lautlos, deutest den Hauch, den ich dir zuflüstere und der nur ein Vorbote des Kusses ist. So angefüllt von trunkener Leidenschaft glaubst du, vergehen zu müssen, während der Lichtwirbel vor deinen Augen zugleich als schmelzender Sturm von lebhaften Schmetterlingen deine Lenden durchstreift.
Ein Kuss, wie er süßer nicht schmecken könnte. Ein Kuss der mich an dich fesselt, tief im Herzen der mondhellen Schlucht die nun ein ganz eigener Sternenhimmel ist. Gleich der schönsten Rosenblüte, besprenkelt von glitzernden Perlen - in ihr versinken will ich und diese Blütenblätter streicheln mit meiner Zungenspitze, bis sie sich ganz entfalten, sie will tanzen zu dem Gesang, der aus deinem entfesselten Munde dringt, zu der Musik deiner Stimme, die nun nicht mehr verstummen will, sondern in wildem Gefallen die Nacht durchdringt. Nie wieder aufhören soll ich, mich weiter mit meinen Lippen an dich schmiegen, dich schmecken und dir zuhauchen und dich entführen in das Meer des niemals endenden Genusses. Eine unendliche Geschichte soll ich dir erzählen, mit Worten, die die Zunge auf die Blütenblätter schreibt, jede Silbe eingebettet in das verlangende Beben meiner Lippen.
Fast hätte ich dir dein Sehnen ganz erfüllt, fast hätte ich dir diesen Wunsch gewährt, doch es gibt noch so viele Worte und so viele Wege, sie dir zu sagen. Der Vulkan in dir will ausbrechen, will all seine Glut preisgeben, die nun bereits die Nacht in einen Feuerschein taucht dank deiner leuchtenden Begierde. Mich von diesem Kuss zu lösen, quält mich und kostet mehr als bloße Beherrschung und doch... soll diese Reise noch nicht zu ihrem Ende finden, muss ich von dir lassen, so sehr deine Laute auch darum betteln, bei dir zu bleiben. Du selbst würdest sie leugnen in einer gelassenen Stunde, würdest dich abwenden vor Scham, wenn du dies Bildnis erblicktest und diesen Gesang hörtest. Irgendwann. Nicht jetzt. In deinem Geist ist kein Raum mehr für derlei Gedanken, er ist gefangen in deiner Lust und vermag sich nicht mehr der irdischen Welt zuzuwenden.
Begrüßt habe ich dich mit heissen Küssen, doch nun will ich dich beruhigen, dir vorgaukeln, dass du genügsam sein musst. Nichts anderes. Eine Ewigkeit scheint vergangen, seit ich nach dem Verlassen deiner zitternden Lippen deine gerötete Wange streichelte, doch nun will ich es wieder tun... hier, im Angesicht des Mondlichts, wo der Kuss ein anderer war und doch so gleich. Nicht deine Wange ist es, die sich blutgefüllt unter meiner warmen Hand wölbt, eine weitere Berührung ersehnend. Nein, ich will dich nicht schutzlos lassen, will nicht, dass der Nachthimmel dich zu lang betrachtet, sondern will dich bedecken vor seinem neidvollen Blick.
Still... still... So lange habe ich deine Stimme entfesselt gelassen, habe dir eine Freiheit gewährt, die du nicht haben solltest. Noch nicht. Komm noch einmal zurück in die Nacht, lass dich ein letztes Mal beherrschen von Stille und Schwere, zügle dich und begib dich in die erdrückenden Fänge der Geduld. Sie kann dich nicht mehr erlöschen lassen, kann die Flammen in dir nicht mehr ersticken, sondern sie nur eindämmen, um sie, wenn ich es dir erlaube, nur umso höher schlagen zu lassen.
Nun schwelt der Feuersturm in meiner Hand, glühend und unruhig. Er schmiegt sich glatt und vollkommen an mich, unnachgiebig und verräterisch, wie eine reife Frucht, die, bedeckt von perlgleichen Tröpfchen, nur darauf wartet, ganz und gar gekostet zu werden. Sie erwacht in meiner Hand zu neuem Leben, will weiter wachsen, sich weiter füllen. Nein, du hast nie daran geglaubt, das sie so viele Geheimnisse in sich bergen könne und obgleich dein Verstand in einem wachen Moment danach trachten würde, diesen Schatz zu bewahren, weißt du jetzt schon, dass diese Nacht auch das Letzte enthüllen wird, was du so lange zu verbergen ersuchtest, nicht ahnend, dass es in dir schlummert.
Es ist so leicht, dich wieder deinen eigenen Grenzen zuzutreiben. Nur ein winziges Streichen meiner Fingerkuppen auf dieser rosengleichen Frucht, ein kaum merkliches Kreisen, wenn ich die Worte der unendlichen Geschichte male. Oder versuche ich nur, einen Weg durch das Labyrinth zu finden, gebildet allein von dem Tau, den nicht der Nacht entspringt, sondern dir allein? Lass mich ihm folgen, diesem verschlungenen Pfad und sehen, wohin er führt... Was mag dort liegen, an seinem Ende? Die Quelle dieses Taus, dieser Juwelen der Versuchung? Der Vulkan selbst, der deinen Körper so beben lässt? Die lustvolle Seele, die deine Stimme zur Musik erhebt, wenn sie erneut wild und ungehemmt die Nacht erfüllt? Kaum kann ich es erwarten, dieses Geheimnis zu ergründen und den rechten Weg zu finden und lasse nun meine Fingerspitzen über diesen Irrgarten gleiten, lasse sie suchen und wie blind und sehend zugleich seiner Mitte entgegenspazieren. Ich weiß, du wirst mir zeigen, welcher Pfad der rechte ist, wenn ich nur lang genug verharre und auf dir vermeintlich umherirre, denn das ist meine letzte Prüfung. Schon jetzt lässt du es erahnen, lässt den Schatz durch den schützenden Mantel blitzen, der ihn noch umgibt. Weiter... nur weiter... Gleich einer Pforte, die sich zögernd öffnet, sollst du ihn mir anbieten, wenn du glaubst, ich würde von selbst nicht danach greifen und verloren und ängstlich weiter danach suchen. Doch das Zittern meiner Finger entspringt nicht der Furcht, sondern der freudigen Erwartung und sie wollen dich weiter verwirren und dich dazu treiben, mir diese Suche zu erleichtern, wenngleich diese selbst schon so reizvoll ist. Wandernd auf dem brennenden Hügel, der wohl nie zuvor eine solches Sehnen in sich barg. Nie zuvor scheint er zu solch verheißungsvoller Reife gelangt, wie dein ungläubiges Seufzen mir verrät, wenn ich darüber streiche. Still... Still... Sieh, wie der Mond und die Sterne in deinem Glanz verblassen, wenn du dich ihnen so zeigst. Sie würden versinken im Schein dieses Schatzes, der alles überstrahlt. Lass sie versinken, lass sie sich abwenden vor Verlegenheit, offenbare dich ihnen und mir und gib dich frei.
Ich weiß, meine Lippen würden dich dazu bringen, würden den letzten sengenden Schutz verdrängen und dich dazu zwingen, mir alles zu gewähren. Es wäre eine Sünde, dich so schnell deiner eigenen Verwirrung zu entreißen, in der du dich nun verfängst. Verschwommen blinzelst du zum Nachthimmel empor, nicht mehr blind, aber zugleich eines klaren Blicks nicht mächtig. Siehst du, wie die Gestirne nicht mehr starr auf schwarzem Samt haften, sondern gleich übermütiger Vögel verspielte Kreise ziehen? Kreise wie die, die meine Finger auf dir beschreiben... nicht mehr ziellos und zögernd, sondern reizvoll und selbstbewusst nähern sie sich immer mehr dem verlockenden Spalt, der sich unter ihrem Streicheln öffnen wird, ganz gleich, wie sehr du es zu verhindern versuchst. Ich lasse dir Zeit, diese Unaufhaltsamkeit zu begreifen, erlaube dir die Erkenntnis, während ich spielerisch nach weiteren Pfaden suche, obwohl der richtige längst gefunden ist. Ich folge dem glänzenden Spiegeln des Mondlichts auf diesem rosigen Paradies, sehe es sich weiter füllen und spüre seinen Herzschlag, der dich mit brausenden Strömen erfüllt und das nun ganz leicht unter meiner Hand entgleitet, um das Licht einzulassen, das dich erstrahlen lässt. Wie könnte ich dich jetzt noch bitten, zu verstummen, wo doch kein Wille dieser Welt dazu stark genug wäre? Der Klang deiner begehrenden Stimme durchhallt die Dunkelheit, lässt sie unter deinen verlangenden Worten schon beinah zum Abendrot werden und will mich dazu bringen, dich nicht länger zu peinigen. Leugne es nicht, wie verfallen du diesen doch so berauschenden Qualen bist. Leugne nicht, dass du fürchtest, ihnen zu erliegen, noch ehe ich ganz von dir Besitz ergreife und verneine nicht, dass du dir jetzt und hier die Ewigkeit wünschst.
Ich überlege, die Schwere von dir zu nehmen, nur für einen Moment. Welche Weg würden deine Hände nehmen, wenn ich sie frei ließe und mich selbst zurückziehe? Wie lange könntest du sie zurückhalten, wie stürmisch würden sie sich herabtasten? Und ich frage dich, ob du das möchtest, ob du willst, dass ich dir diese Freiheit schenke nur für kurze Zeit. Schon dieses Bild in deinem Geist beraubt dich klarer Worte... Nein, diesmal nicht. Du sollst gefangen bleiben und nicht selbst entscheiden, wie hoch deine Flammen schlagen dürfen.
 
 
 
.....bald wirst du wissen, wie....

 

 

 



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